Frisch auf die Müllkippe

Abfall vom Acker: Nicht nur Tomaten werden hierzulande tonnenweise vernichtet - mehr als die Hälfte aller Lebensmittel landet im Müll. © Theissen/Bildagentur-Online/Picture Alliance

Essensvernichter: Warum die Hälfte aller Lebensmittel im Müll landet und wer dafür verantwortlich ist!

Eine schockierende Zahl: Die Hälfte unserer Lebensmittel landet im Müll, wenn man alle Verluste berücksichtigt, vom Anbau bis zum Konsum. Exakte Zahlen gibt es bislang nämlich nur aus Österreich und Großbritanien. Sie belegen, dass rund 50 Prozent aller Lebensmittel weggeworfen werden, auf dem Weg von der Erzeugung über die Verarbeitung, den Groß- und Einzelhandel bis zum Kühlschrank und dem Teller. Schätzungen gehen davon aus, das in Deutschland jedes Jahr 20 Millionen Tonnen Lebensmittel verschwendet werden.

Jeder kann etwas dagegen tun

Was passiert eigentlich nach Ladenschluss mit all den Broten und dem Gemüse, das mancherorts auch kurz vor 20 Uhr noch die Supermarktregale füllt? Und was wäre, wenn wir unsere Ansprüche an wohlgeformte Kartoffeln, knallgelbe Bananen und mehr als 70 Brotsorten ein wenig reduzieren würden?

Die rechnerischen Alternativen sind beeindruckend: Mit sämtlichen Lebensmittelabfällen aus Europa und Nordamerika könnte man ALLE Hungernden dieser Welt mehr als satt machen. Und wenn man die Klimagase, die durch Produktion und Vernichtung von Lebensmitteln entstehen, nur um die Hälfte reduzieren würde, hätte das den selben Effekt, wie wenn man jedes zweite Auto stilllegen würde.

Verschwendung überall

Klar ist: Auf eine Zahl von 50 Prozent kommt man, wenn man die Verluste entlang der gesamten Produktionskette zusammenrechnet. Vom Anbau über die Verteilung bis zum Konsum. Schon auf dem Feld bleiben beträchtliche Mengen guter Lebensmittel einfach liegen. “40 bis 50 Prozent der Kartoffeln müssen wir aussortieren” berichtet der Biobauer und Grünen-Politiker Friedrich-Wilhelm Graefe zu Baringsdorf.

“Einem alten Landwirt wie mir tut das in der Seele weh”. Der 1942 geborene Baringdorf stammt aus einer Generation, für die Lebensmittel noch ein ganz anderen Wert hatten. Sie nicht zu verarbeiten, obwohl sie vom Ernährungs- und Gesundheitswert völlig in Ordnung sind, ist für Baringsdorf auch ein ethisches Thema. Die aussortierten Kartoffeln haben keinen anderen Fehler, als dass sie zu klein oder zu dick sind.

Der Handel fordert nicht nur bestimmte Größen, er trägt auch selber zur gigantischen Vernichtung bei. “Wir werfen Joghurts sechs Tage vor dem Ende des Haltbarkeitsdatums weg” erklärt der Mitarbeiter eines französischen Supermarktes ganz freimütig. Der Grund: Der Kunde wolle frische Ware. Aufs Jahr gerechnet kommen so 500 bis 600 Tonnen Abfall zusammen, die ein Supermarkt dieser Größe produziert.
Es hat auch viel mit unserer geringen Wertschätzung von Lebensmitteln – also Mitteln zum Leben – zu tun, dass wir so viel wegwerfen und uns von Politikern und Unternehmern einreden lassen, dass nur ein mindestens 60 Millimeter dicker Apfel (im Durchmesser) ein guter Apfel ist.

Es geht auch anders

Wenn wir weniger wegwerfen, freut sich übrigens nicht nur unser Geldbeutel. Wir tragen unseren Teil dazu bei, den Hunger in der Welt zu lindern. “Je mehr wir wegwerfenh, desto höher sind die Preise auf dem Weltmarkt, zum Beispiel für Getreide”, erklärt Professor Dr. Joachim Braun vom Zentrum für Entwicklungsforschung in Bonn. Sinkt die Nachfrage nach Getreide durch eine nachtsameren Umgang damit in den reichen Ländern, so können sich die Ärmsten der Armen mehr Bort kaufen.

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2 Comments

  1. Uwe 5. Dezember 2011 Reply
  2. Christa Herzog 6. November 2011 Reply

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